LG Geopark Mai 2026: Dem Trinkwasser auf der Spur - Besuch der Landeswasserversorgung im Dauerwang

Wenn wir heute den Wasserhahn aufdrehen, steht uns frisches Trinkwasser jederzeit und in annähernd unbegrenzter Menge zur Verfügung. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, erfuhren die 18 jugendlichen Teilnehmer der LG Geopark Schwäbische Alb und ihre vier erwachsenen Begleiter bei einem Besuch der Landeswasserversorgung Baden-Württemberg am Stollenbehälter Essingen-Dauerwang.

Immer wieder hatten die geheimnisvollen, weiträumigen Bauwerke im Osterbuch während der Wandertouren rund um Essingen die Neugier der Parkschüler geweckt. Jetzt endlich durfte man im Rahmen einer Führung mit dem verantwortlichen Wassermeister Heinz Kolb und seinen Mitarbeitern vor Ort erfahren, was sich tatsächlich unter der Oberfläche und hinter den dicken Betonwänden versteckt und was es damit auf sich hat.

Während die Schwäbische Alb und der Mittlere Neckarraum zu den wasserarmen Teilen des Landes Baden-Württemberg gehören, gibt es wasserreiche Gebiete entlang der Donau, dem Rhein und des Bodensees. Aufgabe der Landeswasserversorgung (LW) ist es, dieses Ungleichgewicht des natürlichen Angebots durch das Netz der Fernwasserversorgung auszugleichen. Heute beziehen 3 Millionen Menschen in Baden-Württemberg jährlich ca. 95 Millionen Kubikmeter Trinkwasser von der LW. 250 Kommunen und Gemeinden sind an das 775 Kilometer lange Wassernetz angeschlossen. 350 Mitarbeiter kümmern sich um die Leitungen und die 33 Trinkwasserspeicher mit einem Gesamtspeichervolumen von 400 000 Kubikmetern.

Bereits im Jahr 1912 gab der damalige württembergische König den Auftrag zum Bau einer Wasserleitung vom Donauried bis Stuttgart. Mitten im ersten Weltkrieg ging diese Anlage dann 1917 in Betrieb. Zu diesem weitreichenden Leistungssystem gehört unter anderem auch der 1 860 Meter lange, spektakuläre Osterbuchstollen zwischen Oberkochen und Essingen-Dauerwang, der die europäische Wasserscheide zwischen Donau- und Rheineinzugsgebiet überwindet, die Schwäbische Alb am Volkmarsberg bei Aalen auf einer Höhe von 540 Meter über Normalnull unterquert und das Brenz- und Remstal trinkwassertechnisch miteinander verbindet.

Heinz Kolb, der einst selbst an der Parkschule Essingen die Schulbank drückte, vermittelte den Schülern sein breites Wissen über die Bedeutung der Trinkwasserversorgung, berichtete von der eindrucksvollen Bauhistorie, den unglaublichen Dimensionen der Anlage und wies nebenei auf die technischen Herausforderungen beim Bau, bei der Instandhaltung der Fernwasserleitung und der Aufbereitung und Qualitätskontrolle des lebenswichtigen Elements hin.

Besonders eindrucksvoll für die Teilnehmer war der Blick in den mit Wasser gefüllten Stollen im historischen Auslaufbauwerk am Ende des imposanten Tunnels durch den Berg. Auch der riesige, mit Wasser gefüllte unterirdische ‚Dom‘ des neuen Hochbehälters, in dem ca. 13 Millionen Liter sauberstes Trinkwasser für die Menschen im Land bereitgehalten werden, faszinierte die Schüler und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck.

Jochen A. Haag