2. Wanderexkursion der Parkschule Essingen: Landschaftliche und kulturelle Schätze rund um die Dreikaiserberge

Nachdem man den ersten Termin im Herbst 2025 noch wegen der schlechten Wettervorhersage hatte absagen müssen, startete eine Gruppe von 24 Teilnehmern am vergangenen Samstag bei strahlendem Sonnenschein und herrlichen Temperaturen in Wißgoldingen zur 2. Schüler-Eltern-Lehrer-Wanderexkursion über die Dreikaiserberge.

Das Rehgebirge, das sich zwischen den markanten Zeugenbergen Stuifen, Rechberg und Hohenstaufen erstreckt, zeigte sich an diesem Tag von seiner schönsten Seite. Den Exkursionsteilnehmern von der Parkschule Essingen bot sich in Richtung Südwesten ein traumhafter Blick vom Lautertal bei Donzdorf bis zum Filstal. In der Ferne ließen sich sogar die Silhouette der Teck bei Kirchheim und der markante Vulkanschlot des Jusi zwischen Neuffen und Metzingen entdecken.

Nach einer Umrundung des Stuifen machte sich die kleine, aber feine Wandergruppe auf urigen Trampelpfaden an die Erstürmung des höchsten Dreikaiserberges. Der inzwischen vollständige bewaldete Hausberg der Gemeinde Waldstetten präsentierte sich, wie übrigens alle drei Kaiserberge, vor knapp hundertfünfzig Jahren noch völlig kahl. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden er und seine kleineren ‚Brüder‘ wieder systematisch aufgeforstet. Während auf dem Hohenstaufen und dem Rechberg einst stattliche und weithin sichtbare Burgen des Geschlechts der Staufer standen, verfügt der Stuifen über keine solche spektakulären Reste der Vergangenheit. 2011 schuf man deshalb südwestlich des Berggipfels eine freie Aussichtsfläche mit einem eindrucksvollen 12 m hohen Holzkreuz und um den bereits beschriebenen, imposanten Panoramablick auf die Mittlere Alb und die herrliche Landschaft zwischen Rems- und Filstal zu ermöglichen.

Die teilnehmenden Schüler aus der Primar- und Sekundarstufe nutzten die Pause auf dem Plateau für ein erstes Picknick und widmeten sich dann den ersten Aufgaben eines Qiuzbüchleins, das im Vorfeld zu diesem Anlass wieder von der Fachschaft Geografie zusammengestellt worden war und diverse Fragen und Beobachtungsaufgaben bereithielt. Nach der Erholungspause ging es den Stuifen hinab auf befestigten Wegen hinüber zum Gmünder Stadtteil Rechberg. Dabei hatten die Kids, ihre Eltern und die zahlreichen Lehrer das nächste Ziel der Wanderung stets im Blick.

Hoch über den beiden Rechberger Ortsteilen Vorder- und Hinterweiler präsentierten sich unübersehbar die beiden Berggipfel mit der barocken Wallfahrtskirche St. Maria und der Burgruine Hohenrechberg. Schon im Mittelalter zog der beeindruckende Höhenzug die Menschen an. Während auf dem niedrigeren, westlichen Bergsporn des Rechbergs die Staufer eine Burg platzierten, entwickelte sich die Bergkuppe hoch über der Stauferstadt Gmünd zu einem bedeutsamen Ort der regionalen Marienverehrung. Auch jetzt noch führt von Rechberg ein Kreuzweg hinauf, wo heute auf 708 m Höhe die schmucke, barocke Wallfahrtskirche trohnt.

Nach dem anstrengenden Aufstieg konnte man den Blick ins Albvorland genießen. Nach Westen bot sich ein herrlicher Ausblick das Remstal hinab, nach Norden breitete sich das Keuperbergland mit dem Schwäbischen Wald aus. In Richtung Osten konnte man die Pracht der Ostalb in Form des Rosensteins bis hin zum Braunenberg bei Aalen genießen.

Die nach Norden hin weithin sichtbaren Zeugenberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen sind steinerne Zeugen dafür, dass sich die Schwäbische Alb in der geologischen Vergangenheit noch fast 30 Kilometer weiter nach Norden erstreckte. Während sich der Albtrauf im Laufe der Jahrhunderte durch den Einfluss von Wind, Wetter und das fließende Wasser durch rückschreitende Erosion immer weiter nach Süden verlagerte, blieben aus tektonischen Gründen im Rehgebirge Reste der oberesten Juraschichten erhalten, schützten die Bergkuppen vor Abtragung und hinterließen die drei markanten Erhebungen zwischen Rems- und Filstal, von denen der historisch bedeutsamste, der Hohenstaufen mit 684 m Höhe überraschenderweise der Niedrigste ist.

Von der Wallfahrtskirche ging es für die bunte Wandergruppe hinab zur Burgruine Hohenrechberg. Die einstmals staufische Dienstmannenburg in Sichtweite des benachbarten Hohenstaufen wurde vermutlich von Ulrich von Rechberg in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts auf dem westlichen Sporn des Rechberg erbaut und 1355 erstmals urkundlich erwähnt. Seit die Burg am Dreikönigstag im Jahr 1865 durch einen Blitzschlag in Brand geraten war, fristete sie ihr Dasein als Burgruine. Ein wohlhabender Göppinger Geschäftsmann erwarb ehrwürdige Gemäuer 1986. Er widmete sich mit seinem Vermögen, einer Stiftung und seit neuestem einem Verein dem Erhalt und der Restauration des bedeutsamen historischen Denkmals. Aus Sicht eines staufischen Ritters erhielten die Essinger Parkschüler und ihre erwachsenen Begleiter eine kurzweilige Führung und erfuhren jede Menge Details zur achthundertjährigen Burghistorie, den architektonischen Besonderheiten und dem Leben eines Adligen auf einer mittelalterlichen Burg. Während die Stammburg des Kaisergeschlechts der Staufer auf dem Hohenstaufen im Bauernkrieg 1525 zerstört und in der Folgezeit fast vollständig geschleift wurde, blieben die vieleckige Burganlage des Hohenrechbergs mit ihrer imposanten Ringmauer aus staufischen Buckelquadern, dem mächtigen Palas und dem rechteckig vorspringenden Torbau mit seiner hoch über dem Burggraben aufragenden Zugangsbrücke trotz der angesprochenen Brandschäden recht gut erhalten und werden seit vielen Jahren restauriert und rekonstruiert.

In der Burgschänke und dem Spielplatz im Burgraben konnten sich die fleißigen Wanderer der Lerngemeinschaft Parkschule Essingen im Anschluss an die spannende Burgführung von den vielen Höhenmetern der Wanderung erholen und sich neben kühlen Getränken ein deftiges Rittermahl schmecken lassen, bevor es zu Fuß über den legendären ‚Rittersteig‘ hinab nach Rechberg und von dort wieder zurück zum Ausgangspunkt der Tour im benachbarten Wißgoldingen ging. Angesichts der spektakulären Aus- und Einblicke des Tages fragte sich mancher Teilnehmer am Ende: „Wer braucht eigentlich Flugbenzin, wenn man in unserer Heimat solche landschaftlichen und kulturellen Schätze findet?“

Jochen A. Haag

 

200 Bilder von der 2. Schüler-Eltern-Lehrer-Exkursion